Ulrich Prustel

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Ulrich Prustel (* im 14. Jahrhundert, in Wien; † 5. Mai 1417)[A 1] machte eine erfolgreiche Karriere im Dienst der Herzöge von Österreich (Habsburger) und brachte es schließlich bis zum Fürstbischof von Brixen.

Herkunft und Familie

Ulrich, der selbst den Namen Ulrich Prustel führte und in zeitgenössischen Quellen auch als Ulrich von Wien ("Ulrich de Wienna") belegt ist, stammte aus Wien. In der neueren Geschichtsforschung wird er gewöhnlich Ulrich Reicholf genannt, doch ist dieser Name nicht durch zeitgenössische Quellen für ihn nachgewiesen. Verwandtschaftliche Beziehungen zwischen ihm und der Wiener Bürgerfamilie Reicholf ergeben sich nur über eine seiner Nichten, Elisabeth, die mit Oswald Reicholf "dem Älteren" (belegt 1396-1429) verheiratet war. Sie ist die Mutter des Wiener Bürgermeisters Oswald Reicholf "des Jüngeren" († 1463).[1]

Karriere als Kleriker

Ulrich Prustel verfolgte eine Karriere als Kleriker, vermeidete allerdings bis ca. 1391 den Empfang der dafür nötigen höheren Weihen. Noch im Oktober 1381 ließ er sich einen päpstlichen Dispens ausstellen, der ihm für die drei folgenden Jahre vom Empfang der Diakonats- und Priesterweihe befreite. Diese holte er erst Anfang der 1390er-Jahre (vor dem April 1391) nach. Es scheint, dass sich dies für seine Karriere als Kleriker keineswegs nachteilig auswirkte.[2]

Als angehender Kleriker bewarb er sich zunächst um die Expektanz auf ein Benefizium der Kollatur des Fürstbischofs von Passau und sicherte sich im Juni 1380 eine Expektanz auf ein Kanonikat in Brixen, welches er um 1382 tatsächlich erwerben konnte. Vorübergehend war er Pfarrer und Pfarrherr der im Herzogtum Steier gelegenen Pfarre Gratwein (heute Teil der Gemeinde Gratwein-Straßengel), seit September 1382 gehörte ihm die reiche Pfarre von St. Lorenzen im Mürztal. Seine Karriere als Kleriker und auch seine Karriere im Kanzleidienst der Herzöge von Österreich (Habsburger) wurde wesentlich von Friedrich von Erdingen († 1396), seit 1376 Fürstbischof Friedrich von Brixen († 1396), dem Kanzler von Herzog Leopold (III.) von Österreich ("Leopold dem Gerechten") († 1386), gefördert.[3] Im April 1391 erhielt Ulrich Prustel von Herzog Albrecht (III.) von Österreich ("Albrecht mit dem Zopfe") († 1395) die im Weinviertel gelegene landesfürstlichen Patronatpfarre Falkenstein. Anfang des Jahres 1396 resignierte Friedrich von Erdingen und machte so den Weg dazu frei, dass Ulrich Prustel seine Nachfolge als Fürstbischof von Brixen antreten konnte. Dieser erhielt am 27. März 1396 die päpstliche Provision für dieses Hochstift beziehungsweise Bistum durch die päpstliche Kurie in Rom.[4]

Im Kanzleidienst der Herzöge von Österreich (Habsburger)

Ulrich Prustel, erstmals im November 1378 in einem Supplikenrotulus von Herzog Leopold (III.) von Österreich genannt, den dieser beim Papst "von Avignon" einreichen ließ, war Mitarbeiter von dessen Kanzlei, wo er es rasch in eine führende Position brachte.[5] 1382 war er dort noch "Schreiber in der Kanzlei", 1385 wird er als "notarius et locumentenens cancellarie" tituliert.[3] Einige Monate, nach dem Tod von Herzog Leopold (III.), konnte er auch am Hof von dessen Bruder Fuß fassen. Von April 1388 bis Herbst 1394 bekleidete er als Kammernotar beziehungsweise Kammerschreiber von Herzog Albrecht (III.) von Österreich eine wichtige Position in dessen zentraler herzoglicher Finanzverwaltung. Nach dessen Tod war Ulrich Prustel Kanzler von Herzog Leopold (IV.) von Österreich ("Leopold dem Stolzen") († 1411).[4]

Hausbesitzer in Wien

In den 1390er-Jahren besaß Ulrich Prustel ein in der Stadt Wien[A 2] gelegenes Haus in der Krugerstraße, zu dem auch ein Preßhaus gehörte (heute: Wien 1, Krugerstraße 3). Da in der Krugerstraße bereits 1356 ein Heinrich Prustel ansässig war, der möglicherweise mit Ulrich Prustel verwandt war, hatte er dieses Haus vielleicht geerbt. Im Juli 1391 kaufte Ulrich Prustel ein an das Haus angrenzendes Grundstück mit Stadel und Garten.[6]

Literatur

  • Christian Lackner: Ein Rechnungsbuch Herzog Albrechts III. von Österreich. Edition und Textanalyse (= Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde. Band 23) (= NÖ-Schriften (Wissenschaft). Bd. 93). Selbstverlag des NÖ Instituts für Landeskunde, Wien, 1996. ISBN 3850060853. S. 32, Fußnote 32 (Kurzbiographie über seinen Werdegang im Dienst der Habsburger)
  • Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5

Einzelnachweise

  1. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 326, mit Fußnote 361
  2. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 326 und S. 327
  3. 3,0 3,1 vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 326
  4. 4,0 4,1 vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 327
  5. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 94
  6. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 327, mit Fußnote 367

Anmerkungen

  1. Daten nach Hinweisen von Christian Lackner. Vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft, 2002, S. 94 und S. 326
  2. Die Stadt Wien war damals die größte Stadt im Herzogtum Österreich und gehörte zu dessen Landständen. Sie war unter der Herrschaft der Babenberger seit Herzog Heinrich (II.) ("Heinrich Jasomirgott") Sitz des Herzogs von Österreich und gehörte zu den wichtigsten Residenzen der Habsburger. Im 15. Jahrhundert behauptete Wien sich als Hauptstadt des Herzogtums Österreich "unter der Enns", aber erst im 17. Jahrhundert wurde es die Hauptstadt des "Habsburgerreiches". Bis Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste die Stadt Wien im Wesentlichen jenen Stadtteil, der heute den ersten Bezirk bildet. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden durch Eingemeindung die Wiener Bezirke 2-9. Ende des 19. Jahrhunderts beziehungsweise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden durch Eingemeindung die Bezirke 10-23.
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