Leopold V. (Österreich)

Aus Regiowiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Herzog Leopold (V.) "der Tugendreiche", Abbildung eines seiner Siegel aus dem Jahr 1780

Herzog Leopold oder Liupold "der Tugendreiche" oder "Tugendhafte"[A 1] (* 1157; † 31. Dezember 1194, in Graz), auch Herzog Leopold (V.) Österreich beziehungsweise Herzog Leopold (II.) von Steier, herrschte über Gebiete im heutigen Land Österreich. Er war vor dem 21. Jahrhundert neben Markgraf Leopold "dem Heiligen" wegen seiner sagenumwobenen Teilnahme am "Dritten Kreuzzug" ("Lösegeld-Coup" mit dem englischen König Richard (I.) "Löwenherz", Entstehung der österreichischen Fahne) der vermutlich Bekannteste aus der Familie der Babenberger.

Ehe und Nachkommen

Leopold (V.) "der Tugendreiche" entstammte einer einflussreichen Herrscherfamilie, die heute als die Babenberger bezeichnet wird. Er war der ältere Sohn von Herzog Heinrich (II.) "Jasomirgott" († 1177) aus dessen Ehe mit Theodora Komnena († 1184), einer Nichte des byzantinischen Kaisers Manuel (I.). Er war der ältere Bruder von Herzog Heinrich von Mödling († 1223).

Leopold (V.) heiratete am 12. Mai 1174 die ca. gleichaltrige Ilona (Helene) (* 1158, † 25. Mai 1199), eine Schwester des ungarischen Königs Béla III..[1].[2] Aus dieser Ehe sind drei Kinder belegt:

Herrschaften

Leopold (V.) herrschte 1177–1194 über das Herzogtum Österreich. 1192–1194 herrschte er außerdem in Personalunion auch über das benachbarte Herzogtum Steier, das nach dem Tod des letzten Traungauers († 1192) unter seine Herrschaft gekommen war.[4] Den Eigenbesitz seiner Familie im Herzogtum Österreich konnte er wesentlich vergrößern, da in den 1180er-Jahren eine Reihe hochadliger Familien in "männlicher" Linie ausstarben und er ihr Erbe für sich gewinnen konnte.[5] So erbte er von der bairischen Grafenfamilie der Sulzbacher Güter südlich seiner Stadt Wien und den Burgort Hainburg[A 2]. Außerdem erbte er von den Herren von Perg Besitzungen westlich von St. Pölten und den im Machland gelegenen Ort Perg, nach dem sie sich benannt hatten. Von den bairischen Grafen von Schallaburg erbte er Gebiete an den Flüssen Pielach, Melk und Mank sowie im Weinviertel und an der Traisen, von den Burggrafen von Regensburg Gebiete in Persenbeug und bei Ybbs. Seine Machtstellung im Attergau und Traungau konnte er durch Besitzungen, die er von der Grafenfamilie von Poigen-Rebgau geerbt hatte, verbessern.[6]

Anfänge

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Heinrich erhielt Leopold 1174 auf dem kaiserlichen Hoftag in Regensburg die "Schwertleite".[7] Am selben Tag, dem 12. Mai 1174, fand außerdem seine Hochzeit statt.[2] Nach dem ziemlich unerwarteten Tod seines Vaters reiste er ins heutigen Italien, wo Kaiser Friedrich I. "Barbarossa" ihm und seiner Familie den Herzogtitel und Länderbesitz bestätigte.[8]

Herzog Leopold (V.) war weder bei der Absetzung von Heinrich "dem Löwen" als Herzog von Baiern und Sachsen noch bei der Belehnung des bairischen Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach mit dem bairischen Herzogtum anwesend. Die Gründe dafür sind unbekannt, möglicherweise hatte er sich selbst Hoffnungen auf das bairische Herzogtum gemacht, aus dem er nur das im Westen des heutigen Mühlviertels gelegene Gebiet zwischen dem Haselgraben und der Großen Mühl zu Lehen erhielt.[9] Langfristig sollten er und seine Nachfolger aber davon profitieren, denn das Herzogtum Steier, das ihnen später gehören sollte, entstand in diesem Zusammenhang, als die Markgrafschaft Steier vom bairischen Herzogtum gelöst und zu einem eigenen Herzogtum erhoben wurde.

1181 besuchte Herzog Leopold (V.) den kaiserlichen Hoftag in Erfurt, wo sein etwa sechsjähriger älterer Sohn Friedrich mit dem Herzogtum Österreich belehnt wurde.[8] 1182 unternahm Herzog Leopold eine Pilgerfahrt ins Heilige Land.[10] Für den Hinweg wählte er die Route durch das Ungarische Königreich und das Byzantinische Reich, die Rückreise führte über das Meer nach Apulien und von dort entlang die Küste der Adria. Es scheint, dass die Pilgerreise ohne besondere Zwischenfälle verlief. Ende 1182 war er wieder in seinem Herzogtum anzutreffen.[6]

Nach seiner Rückkehr von seiner Pilgerreise begleitete er 1183 Kaiser Friedrich I. ins heutige Italien, wo er mit anderen Reichsfürsten die Eidesleistung für den Vorvertrag erbrachte, welcher für den Kaiser mit den lombardischen Städten geschlossen wurde. Bei der Ausfertigung dieses Vertrages in Konstanz war er dagegen nicht anwesend. Seine Anwesenheit auf dem Pfingstfest von Mainz im Jahr 1284, wo er mit anderen Reichsfürsten um die Ehre rivalisierte, das Schwert dem Kaiser beim feierlich zelebrierten Kirchengang voranzutragen, belegt, dass er damals zum engsten Kreis der Reichsfürsten im Umfeld des Kaisers zählte.[11]

Der "Dritte Kreuzzug"

Die Burg Dürnstein, auf welcher der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde, in einer historistisch-phantasiereichen Darstellung aus dem Jahr 1880

1190-1192 nahm Herzog Leopold (V.) am sogenannten "Dritten Kreuzzug" teil.[10] Dieser sollte sich für ihn als ziemlich problematisch erweisen. War er zunächst ein wichtiger Verbündeter von Kaiser Friedrich I. gewesen, dessen Heer er sich jedoch in Wien wegen Grenzstreitigkeiten mit dem ungarischen König nicht sofort hatte anschließen können, wurde seine Teilnahme wenig später beinahe verhindert, als König Heinrich VI. seine Heerfolge für einen Feldzug nach Sizilien angeforderte. Erst nachdem sein jüngerer Bruder, Herzog Heinrich, für ihn diese Heerfolge übernommen hatte, konnte Leopold (V.) mit einem relativ bescheidenen Gefolge im Spätherbst 1190 ins Heilige Land aufbrechen. Er wählte den Seeweg, wobei er wegen Schwierigkeiten mit der Republik Venedig mit seinen Leuten in Zara überwintern musste. Erst im Frühjahr 1191 erreichte er die Hafenstadt Akkon, welche zu dieser Zeit von den Kreuzfahrern belagert wurde. Inzwischen hatte sich jedoch die politische Situation für die Kreuzzugsteilnehmer vollkommen geändert. Der Tod von Kaiser Friedrich I. hatte die Auflösung von dessen Kreuzfahrerheer zur Folge, die Rolle, die in der Folge von den Königen Richard I. "Löwenherz" und Philippe Auguste übernommen worden war, verschlechterte zudem die Lage für die Reste jener Kreuzzugsteilnehmer aus dem Heiligen Römischen Reich aus, die Akkon erreichten. In einem regulären kaiserlichen Heer hätte Leopold (V.) zu den angesehensten Fürsten gehört, aufgrund der Entwicklungen befand er sich nun mit seinen ohnehin nicht allzu zahlreichen Gefolge in einer äußerst prekären Lage.[12] Ob es vor diesem Hintergrund tatsächlich zu einem persönlichen, für den Herzog ehrverletzenden Vorfall durch den englischen König Richard I. Löwenherz gekommen ist, wird von der neuesten Geschichtsforschung seit dem 21. Jahrhundert stark angezweifelt, doch dürfte es tatsächlich zu Konflikten zwischen den wenigen Kreuzzugsteilnehmern aus dem Reich und dem englischen König gekommen sein.Fakt ist, dass Leopold (V.) noch 1191 wieder in sein Herzogtum Österreich zurück gekehrt ist.[13]

Letzte Jahre

Im Gegensatz zum letztlich relativ unerfreulichen Kreuzzug waren die Jahre danach für Herzog Leopold (V.) eine sehr erfolgreiche Zeit. 1186 war die "Georgenberger Handfeste" mit dem letzten Herzog von Steier aus der Familie der Traungauer geschlossen worden, wodurch Herzog Leopold (V.) nach dessen Tod 1192 die Herrschaft über das Herzogtum Steier tatsächlich übernehmen konnte.[14] Die Gefangennahme von Richard I. Löwenherz und der herzogliche Anteil an dem Lösegeld, das dieser für seine Freilassung Kaiser Heinrich zahlen musste, verschafften dem Herzog enorme Geldmittel, die er sinnvoll und erfolgsorientiert verwendete. Mit dem Lösegeld finanzierte er den Bau einer im Grenzbereich seiner Herzogtümer Österreich und Steier gelegenen Stadt, die heute unter dem Namen Wiener Neustadt bekannt ist. Diese gewann als "Grenzfestung" und Herrschersitz im Spätmittelalter noch große Bedeutung und war im 15. Jahrhundert vorübergehend der Sitz des Kaisers. Inwieweit das Lösegeld noch für weitere Bauprojekte ausgereicht hat, ist in der Geschichtsforschung nicht eindeutig geklärt.[15]

Wegen der Gefangennahme des englischen Königs, die vielleicht mit Kaiser Heinrich (VI.) abgesprochen war, wurde Herzog Leopold allerdings exkommuniziert. Als er wenig später mit ca. 37 Jahren an den Folgen eines unglücklichen Reitunfalls starb, erlangte er noch vor seinem Tod die Aufhebung der Exkommunikation. Für die Einhaltung der Gelöbnisse, die er für die Aufhebung zu machen hatte, bürgte sein älterer Sohn und Nachfolger Friedrich, der sie nach dem Tod seines Vaters auch umsetzte.[16] Herzog Leopold hatte vor seinem Tod noch genug Zeit, die Nachfolge in seinen beiden Herzogtümern zu regeln. Obwohl die "Georgenberger Handfeste" eine gemeinsame Herrschaft für die Herzogtümer Österreich und Steier vorsah, entschied er, dass ihm sein älterer Sohn Friedrich als Herzog von Österreich nachfolgen sollte und der gleichnamige jüngere Sohn Leopold als Herzog von Steier. Diese Regelung wurde auch befolgt, wenn gleich der jüngere Leopold nach dem frühen Tod seines Bruders Friedrich 1198 auch die Herrschaft über das Herzogtum Österreich übernahm.[17]

Leopold bei seinen Zeitgenossen und in der aktuellen Geschichtsforschung

Obwohl Leopold (V.) "der Tugendreiche" in der Forschung des 21. Jahrhunderts häufig nur mehr auf eine Randnote um den Lösegeldcoup um Richard Löwenherz reduziert wird, dürfte er bei seinem Zeitgenossen sehr angesehen gewesen sein. Er soll, und dies nicht erst, nachdem er seinen Anteil am Lösegeld erhalten hatte, als reicher und liquider Fürst gegolten haben. Der Dichter Chréstien de Troyes erklärt in seinem Epos "Yvain" (um 1180) einen Bettüberwurf als so kostbar, dass selbst der Herzog von Österreich nie einen solchen sein eigen nannte. Offensichtlich war Herzog Leopold zumindest noch bei seinen Zeitgenossen noch alles andere als ein ein armer Fürst aus einem abgelegenen unbedeutenden Land.[18] In der Chronik seines Zeitgenossen Magnus von Reichersberg († um 1195) nennt ihn dieser im Zusammenhang mit seinem Tod den mächtigsten Fürst im östlichen Teil des Reiches ("Eodem anno mortuus est potentissimus princeps terrarum istarum Liupoldus dux Austriae") bezeichnet. Im Fürstenbuch von Jans Enikel († nach 1302) wird er als überaus bieder ("an mazen biderbe") bezeichnet.[19]

Bei seinen Zeitgenossen, die englischen Quellen ausgenommen, dürfte der Herzog offensichtlich recht angesehen gewesen sein. Obwohl es den Anschein hat, dass er sich, abgesehen von der Reliquie für das Stift Heiligenkreuz, nicht besonders um die Förderung von kirchlichen Einrichtungen verdient gemacht hat, erhielt Leopold nach seinem Tod von mehreren Stiften und Klöstern in seinen Herrschaftsgebieten durchaus wohlwollende Nachrufe, in denen besonders seine Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit hervorgehoben ist. Hinweise darauf, dass er zumindest in der Zeit vor seinem Tod exkommuniziert war, fehlen zur Gänze. Die Katastrophe eines Donauhochwassers aus dieser Zeit zum Beispiel, von der die Österreichischen Annalen berichten, wird nicht etwa damit in Verbindung gebracht.[20] Mit dem Nachruf, den Reinmar von Hagenau, der als einer der angesehensten Minnesänger seiner Zeit gilt, dem Herzog widmete, hat der Herzog sogar Literaturgeschichte geschrieben. Es handelt sich um eine tief empfundene künstlerische Totenklage, welche Reinmar der verwitweten Herzogin in den Mund gelegt hat.[21]

Orte mit Bezug im heutigen Österreich

Gedenktafel für die von Herzog Leopold (V.) gegründete Wiener Münzprägestätte am Hohen Markt in Wien

Oberösterreich

  • Enns: Hier wurde am 17. August 1186 auf dem Georgenberg (heute: Schlosspark Ennsegg) die "Georgenberger Handfeste" zwischen Herzog Leopold V. und Herzog Ottokar (IV.) von Steier aus der Familie der Traungauer geschlossen, jener Erbvertrag, durch welchen das Herzogtum Steier 1192 an die Babenberger kam.[22] Enns zählt außerdem zu jenen Städten, denen nachgesagt wird, dass die Errichtung seiner Stadtmauern aus dem Lösegeld für Richard I. "Löwenherz" bezahlt wurde.[23]

Niederösterreich

  • Bad Fischau-Brunn: Zwischen 1192 und 1194 fand im damaligen Markt Fischau ein Landestaiding[A 3] statt, auf welcher Herzog Leopold (V.) mit seinen Ministerialen über die Gründung der späteren Stadt Wiener Neustadt verhandelte.[23] Mit der Gründung einer landesfürstlichen Stadt in einem Gebiet, wo der Herzog erst kürzlich die Herrschaft übernommen hatte, konnte er eindrucksvoll die neuen Machtverhältnisse dort demonstrieren. Daneben dürften auch militärische Überlegungen für die Gründung der "neuen Stadt" ausschlaggebend gewesen sein. Mit ihr konnte die Grenzsicherung zum ungarischen Königreich gestärkt und die Sicherung der Route über den Semmering aufgewertet werden.[24]
  • Hainburg: Es zählt zu jenen Städten im heutigen Niederösterreich, denen nachgesagt wird, dass die Errichtung seiner Stadtmauern mit dem Lösegeld für Richard I. "Löwenherz" finanziert wurde.[23]
  • Wiener Neustadt: Nachdem mit dem Herzogtum Steier 1192 die wichtigen Südrouten über die Grafschaft Pitten und den Semmering unter die Herrschaft von Herzog Leopold (V.) gelangten, ließ dieser zur Sicherung in der "Pittner Mark" eine neue Stadt und Feste gründen: Wiener Neustadt.[22] Nach dem 4. Februar 1194 wurde (angeblich) ein Teil des Lösegeldes für König Richard Löwenherz für die Finanzierung dieses Bauprojektes aufgewendet.[25] Wiener Neustadt sollte außerdem die Sicherung einer neuen Fernstraße übernehmen, welche vom Wiener Kärntnertor aus nach Süden führte.[23]

Steiermark

  • Friedberg: Die Stadt wurde unter Herzog Leopold (V.) gegründet. Angeblich wurde ihre Errichtung und ihre Befestigung aus dem Lösegeld für Richard I. "Löwenherz" finanziert.[23]

Wien

  • Wien, das unter Leopolds Vater dessen Hauptsitz gewesen war, hatte nicht zuletzt durch seine Lage an der Donau für den Handel an Bedeutung gewonnen, was unter Herzog Leopold (V.) mit der feierlichen Verleihung eines wichtigen Handelprivilegs im Jahr 1292 entsprechend gefördert wurde. Die Stadt erlebte unter ihm einen enormen Aufschwung als Marktort.[26]
  • Am 18. Mai 1189 reiste Friedrich I. Barbarossa in prominenter Begleitung, der sich bereits 1165 für einige Zeit in Wien aufgehalten hatte, auf dem Weg ins Heilige Land (Dritter Kreuzzug) über Wien, das damals bereits als größte "Stadt" des Herzogtums Österreich galt. Die Kreuzfahrerheer ließ Herzog Leopold bestens versorgen, allerdings mussten angeblich ca. 500 Teilnehmer wegen unsittlichen Lebenswandels, Diebstählen und anderen Exzessen es verlassen. Am 15. August 1190 brach Herzog Leopold ebenfalls von Wien aus zu diesem Kreuzzug auf.[27]
  • Nach der Chronik von Veit Arnpeck wurde am 20. oder 21. Dezember 1192 der als Pilger verkleidete König Richard Löwenherz in Erdberg bei Wien (heute Teil des 3. Wiener Gemeindebezirks gefangen genommen.[25] Ein Teil des Lösegeldes für ihn soll für eine Befestigung von Wien verwendet worden sein.[22] Gesichert ist, dass davon die Wiener Münzstätte eingerichtet wurde.[25]
  • Nach dem 4. Februar 1194 wurde ein Teil des Lösegeldes für König Richard (I.) Löwenherz für die Errichtung einer Stadtmauer verwendet.[25] Nach Kurt Klaudy soll die Stadtmauer aber erst 1240 unter Herzog Friedrich (II.) dem Streitbaren erbaut worden sein, als vorausschauende Schutzmaßnahme gegen den "Mongoleneinfall".[28]
  • Eine Folge des "Lösegeld-Coups" war Ende des Jahres 1193 die Gründung einer in Wien gelegenen Münzstätte und des Gremiums der Hausgenossen. Das Lösegeld ermöglichte mit dem Wiener Pfennig erstmals die Prägung Währung, welche sich in den beiden nächsten Jahrhunderten im Ostalpenraum neben dem Friesacher Pfennig des Erzstiftes Salzburg zur gängigsten Münze entwickelte.[29]

Erinnerungsstätten an Herzog Leopold "den Tugendreichen" im heutigen Österreich

Niederösterreich

  • Dürnstein: Auf der Burg Dürnstein, die damals im Besitz von Hadmar (II.) von Kuenring war, soll Leopold König Richard Löwenherz gefangen gehalten haben.[30]
  • Heiligenkreuz: Im Zisterzienserstift Heiligenkreuz befindet sich bis heute ein Partikel, der angeblich vom Heiligen Kreuz stammt, und den Herzog Leopold (V.) von seiner Pilgerfahrt im Jahr 1182 aus dem Heiligen Land mitbrachte und dem Stift zum Geschenk machte.[6]
  • Klosterneuburg: Herzog Leopold "der Tugendreiche" ist auf dem bekannten "Babenberger-Stammbaum" vom Ende des 15. Jahrhunderts, der im Museum des Stiftes besichtigt werden kann, dargestellt.
  • Melk: Ein Historienbild von Herzog Leopold "der Tugendreiche" befindet sich in der "Babenberger-Galerie" in Stift Melk.

Oberösterreich

  • Enns: Die beiden Urkunden der "Georgenberger Handfeste" befinden sich heute im Stadtmuseum von Enns.

Wien

Leopold (V.) in Legende und Sage

Kaiser Heinrich VI. verleiht Herzog Leopold (links, knieend) nach der Schlacht von Akkon sein neues rot-weiß-rotes Banner. Ausschnitt aus dem Babenberger-Stammbaum im Stift Klosterneuburg, geschaffen zw. 1489 und 1492

Um seine Teilnahme am "Dritten Kreuzzug" (Entstehung des Bindenschildes) und an der Schlacht von Akkon sowie die Gefangennahme des englischen Königs Richard haben sich mehrere Sagen gebildet, deren Entstehungszeit ins 14. Jahrhundert fällt. Sie sind keineswegs realitätsgetreu, sondern vermitteln ein Bild davon, wie sich die Menschen damals einen mittelalterlichen Kreuzzug vorgestellt haben. Der dem höfisch-ritterlichen Ideal verpflichtete Herzog mutierte dort zu einem kühnen und ritterlichen Streiter gegen die Heiden.[32]

Leopold (V.) auf der Bühne

  • William Shakespeare: König Johann (Originaltitel: The Life and Death of King John, Historiendrama (publ. 1623) Obwohl der historische Herzog Leopold (V.) zu jener Zeit, in der Shakespeare sein Theaterstück spielen lässt, längst nicht mehr am Leben war, tritt er als einer der zweifelhaften Verbündeten des französischen Königs auf. Die Figur des Herzogs Lymoges von Österreich, die neben dem Babenberger auch durch den Grafen Vidomar von Limoges, dessen Burg es war, wo König Richard 1199 bei der Belagerung den Tod fand, beeinflusst ist, steht für den prahlerischen, wortbrüchigen und feigen Schurken, der bis zur Karikatur überzeichnet ist. Angesichts der ziemlich negativen "Presse", die der Herzog in englischen Quellen hat, ist dies aber nicht überraschend.[33]

Ausstellungen

  • Welt in Bewegung. Niederösterreichische Landesausstellung, 30. März - 10. November 2019[34][35][36]

Literatur

  • Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur. Verlag Carl Ueberreuter, Wien / Heidelberg, 1978
  • Karl Lechner: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976–1246 (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 23). Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 6. Auflage 1996. ISBN 978-3205982296
  • Georg Scheibelreiter: Die Babenberger. Reichsfürsten und Landesherren. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 2010. ISBN 978-3-205-78573-6

Weblinks

 Leopold V. (Österreich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. vgl. Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur, 1978, S. 47
  2. 2,0 2,1 Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit. Amalthea Signum Verlag, Wien, 2013. ISBN 978-3-85002-822-6, S. 86
  3. 3,0 3,1 3,2 vgl. Walter Kleindel: ‚Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur. Wien / Heidelberg: Ueberreuter 1978, Stammtafel der Babenberger (im Anhang)
  4. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 235
  5. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 235
  6. 6,0 6,1 6,2 vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 236
  7. vgl. [w:Georg Scheibelreiter|Georg Scheibelreiter]]: Die Babenberger, 2010, S 222
  8. 8,0 8,1 vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 230
  9. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 231
  10. 10,0 10,1 Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit. Amalthea Signum Verlag, Wien, 2013. ISBN 978-3-85002-822-6, S. 70
  11. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 234f.
  12. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 248ff.
  13. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 252
  14. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 253f.
  15. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 269ff.
  16. vgl. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit. Amalthea Signum Verlag, Wien, 2013. ISBN 978-3-85002-822-6. S. 197 und S. 198
  17. Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit. Amalthea Signum Verlag, Wien, 2013. ISBN 978-3-85002-822-6, S. 199
  18. vgl. Heinz Dopsch - Karl Brunner - Maximilian Weltin (Hrsg.): Österreichische Geschichte 1122–1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien, 1999. ISBN 3-8000-3525-1. S. 33
  19. vgl. Herbert Raidl: Die Gefangenschaft des Richard I. Löwenherz in späterer Chronistik und volkstümlicher Überlieferung. (Ungedruckte) Diplomarbeit, Universität Wien, 1998. S. 16
  20. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 264 und S. 268
  21. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 268
  22. 22,0 22,1 22,2 Walther Krenn: Allgemeine Geschichte Europas und des nahen Ostens. Verlag Leitner & Co., Wels / Wunsiedel / Zürich, 3. Auflage 1955, S. 134
  23. 23,0 23,1 23,2 23,3 23,4 vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 270
  24. vgl. Karin Kühtreiber: Burg Dunkelstein. Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen eines hochmittelalterlichen Adelsitzes im südöstlichen Niederösterreich. Dissertation (ungedruckt), Universität Wien, 2006, Bd. 1, S. 21
  25. 25,0 25,1 25,2 25,3 vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 21
  26. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 255
  27. vgl. Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien: Zeitgenossen berichten. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar, 1995, ISBN 978-3-205-98372-9, S. 20f.
  28. vgl. Kurt Klaudy: Fragment Nr. 3. Über Friedrich, den Streitbaren - Versuch einer Ehrenrettung. In: Kurt Klaudy: Das Werden Wiens und seines Stephandoms. Neues Licht zur historischen Wissenschaft. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2004. ISBN 3-631-51577-4, S. 32, S. 37ff., S. 42
  29. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 271
  30. Walther Krenn: Allgemeine Geschichte Europas und des nahen Ostens. Verlag Leitner & Co., Wels / Wunsiedel / Zürich, 3. Auflage 1955, S. 133
  31. vgl. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg, 1981. ISBN 3-7023-0113-5. S. 29.
  32. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 253
  33. vgl. Georg Scheibelreiter: Die Babenberger, 2010, S. 268f.
  34. vgl. NÖ Landesausstellung 2019, Wiener-Neustadt.AT, abgerufen am 18. Mai 2019
  35. vgl. Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN), 29. März 2019online
  36. vgl. Angelika Mandler-Saul: Wiener Neustadt. Was kann die NÖ Landesausstellung 2019? Ein Lokalaugenschein Kritik online, 29. März 2019, abgerufen am 18. Mai 2019

Anmerkungen

  1. In der Literatur finden sich mehrere Bezeichnungen, wobei es auch Abweichungen bei der Nummerierung gibt. Um Verwechslungen innerhalb der Dynastie der Babenberger, aber auch mit den Herzögen von Österreich aus dem Haus Habsburg zu vermeiden, wird in diesem Artikel der Beiname verwendet, zudem der "Familienname" Babenberger keineswegs für das Mittelalter belegt ist.
  2. Ungeklärt ist bisher, ob mit dem Burgort Hainburg die heutige Stadt Hainburg gemeint war oder Deutsch-Altenburg.
  3. Taiding oder Landestaiding findet sich im Mittelalter als Bezeichnung für Thing in den Gebieten des heutigen Österreich. Mit Thing wurden damals Volksversammlungen und Gerichts­versammlungen bezeichnet, die regelmäßigen an einem bestimmten Ort abgehalten wurden. Sie dienten vor allem der Erhaltung des Rechtsfriedens, wobei besonders die Stellung der Grundherrschaft als ordnende Obrigkeit in ihrem Herrschaftsbereichen gestärkt wurde. Auf dem Gebiet des heutigen Österreichs haben sich aus dem ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit schriftlich ausformulierte Taidingordnungen für die Herrschaften Steyregg oder Lustenfelden (heute Teil der Stadt Linz) erhalten.
VorgängerAmtNachfolger
Herzog Heinrich (II.) JasomirgottHerrscher über das Herzogtum Österreich
Altösterreich Adalbert Babenberger Stammbaum.svgCoat of arms of the archduchy of Austria.svg
1177–1194
Herzog Friedrich (I.) der Katholische
VorgängerAmtNachfolger
Herzog Otakar (IV.) von SteierHerrscher über das Herzogtum Steier
Blason Ducs de Styrie.svg
1192–1194
Herzog Leopold (VI.) der Glorreiche
Wikipedia logo v3.svg
Überregionale Aspekte dieses Themas werden auch in der Wikipedia unter dem Titel Leopold V. (Österreich) behandelt.
Hier auf RegiowikiAT befinden sich Informationen sowie Ergänzungen, die zusätzlich von regionaler Bedeutung sind (siehe Mitarbeit).
Wikipedia logo v3.svg
Zu diesem Artikel gibt es in den folgenden Sprachversionen der Wikipedia weitere Informationen:
اللُّغَة العَرَبِيّةاللغه المصريةБеларуская моваБългарски езикCatalàČeský jazykDanskΝέα ελληνικάEnglishEspañolفارسیSuomiFrançaisGalegoMagyarհայերենBahasa indonesiaItaliano日本語МакедонскиBokmålNederlandsJęzyk polskiPortuguêsLimba românăРусскийSrpskohrvatski jezikСрпскиSvenskaУкраїнська мова汉语