Georg von Liechtenstein (Bischof)

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Georg (II.) von Liechtenstein (* im 14. Jahrhundert, um 1360; † 24. August 1419, Neuspaur in Südtirol) [1] war Dompropst zu St. Stephan zu Wien[A 1] und später Bischof von Trient. Er darf nicht mit seinem gleichnamigen Onkel († 1393), dem herzoglichen Kammermeister, verwechselt werden.

Herkunft und Familie

Georg (II.) von Liechtenstein zu Nikolsburg stammte aus einer bedeutenden Adelsfamilie, die zu den sogenannten "Herrengeschlechtern" des Herzogtums Österreich zählte. Im Unterschied zu anderen bedeutenden österreichischen Herrengeschlechtern bestanden enge Beziehungen zur Markgrafschaft Mähren und und zu den böhmischen Königen. Ihre politische Position im Einflussbereich zweier einflussreicher Herrscherfamilie, den Habsburgern und den Luxemburgern, eröffnete der Familie der Liechtensteiner zu Nikolsburg im 15. Jahrhundert einerseits große Möglichkeiten, die aber keineswegs von Dauer waren.[2]

Georg (II.) von Liechtenstein gilt als einer der Söhne von Hartneid (Hartnid) (III.) von Liechtenstein, der seit 1387 dem herzoglichen Rat angehörte. Er war ein Bruder von Matthias von Liechtenstein († 1399/1400), der für einige Monate als herzoglicher Kammermeister belegt ist und ein Neffe von Hans von Liechtenstein († 1397), dem einflussreichen Hofmeister von Herzog Albrecht (III.) von Österreich ("Albrecht mit dem Zopfe") († 1395).[3]

Leben

Georg (II.) von Liechtenstein zu Nikolsburg schlug die geistliche Laufbahn ein, welche durch seinen Onkel Hans (I.) von Liechtenstein besonders gefördert wurde. 1387 wurde Georg (II.) von Liechtenstein auf Initiative seines Onkels Propst des Allerheiligenkapitals zu St. Stephan in Wien. In dieser Position, in der er bis zum November 1390 verblieb[4], war er auch Kanzler der Wiener Universität. Im Jänner 1390 erreichte Herzog Albrecht (III.) von Österreich für ihn an der römischen Kurie die Provision mit dem nächsten in seinen "Landen" gelegenen, vakanten Bistum, wobei der Herzog sich ausdrücklich auf die Verdienste seines Hofmeisters Hans von Liechtenstein berief. Es war wohl auch der Einfluss von diesem, dass Georg von Liechtenstein am 29. September 1390 Fürstbischof von Trient wurde.[5] Seine Amtszeit als Bischof von Trient war von einem ständigen Konflikt mit der Bürgerschaft der Stadt Trient überschattet, daneben scheint es, dass auch sein Rückhalt im Domkapitel nicht besonders belastbar gewesen sein dürfte. Bekannt ist er heute nur mehr durch seinen Kampf gegen Herzog Friedrich (IV.) von Österreich († 1349), Graf von Tirol, im Volksmund einst besser bekannt als "Friedel mit der leeren Tasche", dem um 1306 mit der Grafschaft Tirol und Teilen der "Vorderen Lande" auch die Erbvogtei über das Hochstift Trient erhalten hatte. Unter dessen Druck musste Georg von Liechtenstein 1407 und 1409 auf seine Herrschaftsrechte im Hochstift beziehungsweise Bistum zugunsten des Herzogs verzichten. Eine Rehabilitierung durch das Konzil von Konstanz (1414-1418) aus politischen Gründen hatte seine Wiedereinsetzung "de forma" zur Folge.[6] Erst nach der Vermittlung von Papst Martin V. konnte Georg von Liechtenstein mit Zustimmung von Herzog Friedrich (IV.) nach Trient zurückkehren. Wegen erneuten kriegerischer Handlungen musste er jedoch wenig später erneut von dort fliehen und starb wenig später auf einer der Burgen von Peter von Spaur.[7] Nach seinem Tod wurde er im Dom von Trient beigesetzt.[6]

Die Nachfolge von Georg von Liechtenstein als Bischof von Trient gestaltete sich äußerst schwierig und konnte erst einige Jahre später mit der Einsetzung von Alexander von Masowien († 1444), einem jüngeren Bruder von Herzogin Cimburgis von Österreich, gelöst werden. Von 1442 bis zu seinem Tod war dieser wie zuvor Georg von Liechtenstein ebenfalls Dompropst von St. Stephan in Wien. Im Frauenchor des Wiener Stephansdoms fand er seine letzte Ruhestätte.[8]

Literatur

  • Franz Huter: Georg von Liechtenstein-Nikolsburg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Duncker & Humblot, Berlin, 1964. Bd. 6, S. 229f. Online-Version

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. Neue Deutsche Biographie (NDB), 1964. Bd. 6, S. 229
  2. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5. S. 59
  3. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5. S. 59, S. 61, 95 und S. 128
  4. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5. S. 323, Fußnote 339
  5. vgl. Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365-1406) (= Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Erg.Bd. 41). R. Oldenbourg Verlag, Wien / München, 2002. ISBN 3-7029-0456-5. S. 61f. und S. 323
  6. 6,0 6,1 vgl. Georg von Liechtenstein, Geschichte-Tirol.COM, abgerufen am 12. Februar 2022
  7. vgl. Neue Deutsche Biographie (NDB), 1964. Bd. 6, S. 230
  8. vgl. Josef Gelmi: Die Brixner Bischöfe in der Geschichte Tirols. Athesia-Tappeiner Verlag, Bozen, 1984. ISBN 978-8870143621. S. 96

Anmerkungen

  1. Der Dompropst von St. Stephan zu Wien gilt als ein Vorläufer des Bischofs und späteren Erzbischofs von Wien. Vgl. Dompropst im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
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