Seraphisches Liebeswerk (Tirol)

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Firmenloge des slw Soziale Dienste der Kapuziner

Das Seraphische Liebeswerk (SLW) in Tirol, heute slw Soziale Dienste der Kapuziner (Abk.: slw) ist eine Gründung des österreichischen Kapuzinerordens. Es ist das Kinderhilfswerk des Kapuzinerordens und es werden damit etwa 270 bis 500 Menschen betreut.[1][2]

Slw Soziale Dienste der Kapuziner bietet in Tirol „volle Erziehung“ (vollstationäre Unterbringung) und „Unterstützung der Erziehung, UdE“ (sozialpädagogische Tagesbetreuung) an.[3]

Ziele

Ziel des Seraphische Liebeswerk war es, den zahlreichen „armen und verwahrlosten Kindern“, die „religiös oder sittlich gefährdet“ waren, einen festen Halt im katholischen Glauben zu bieten und damit auch in der Gesellschaft.[4]

Die Tätigkeit des Seraphischen Liebeswerks bestand zuerst darin, Geld sowie Sachspenden zu sammeln und diese zum Vorteil von katholischen Kindern zu verwenden. Nach 1900 begann der Verein auch mit Erziehungstätigkeiten mit einem pädagogischen Profil.[5] Dazu wurden die Kinder nunmehr in dafür als geeignet erachtete Familien sowie in vom Verein gegründete Erziehungseinrichtungen untergebracht. Neben der Erziehung, insbesondere auch im katholischen Glauben, wurden die Kinder in der Landwirtschaft beschäftigt.[6]

Geschichte

Das Seraphische Liebeswerk wurde 1889 in Ehrenbreitstein bei Koblenz von Cyprian Fröhlich als Hilfswerk für Kinder in Not gegründet.[7]

1908 begann das Seraphische Liebeswerk auch in Tirol und auch kurz darauf in Vorarlberg mit seiner Tätigkeit (Seraphische Liebeswerk (Vorarlberg). Die Vorarlberger Organisation war dabei noch der Ordensprovinz Tirol angeschlossen bzw. unterstellt. Im Dorf Tirol bei Meran wurde unter der Leitung des Paters Angelus Stummer eine erste Erziehungsanstalt, das St. Fidelishaus, errichtet. In Vorarlberg betrieb das Seraphische Liebeswerk zuerst keine eigene Erziehungsanstalt, die betreuten Kinder wurden dem 1884 gegründeten Vorarlberger Kinderrettungsverein übergeben, später dann auch nach Tirol in diese Erziehungsanstalten des Seraphische Liebeswerk gesendet.

1910 traten die Gemeinden Liechtensteins dem Seraphische Liebeswerk Tirol und Vorarlberg bei.[8] Bereits 1911 wurde die Liechtensteiner und Vorarlberger Sektion von der Provinz Tirol getrennt und eigenständig und vom nunmehrigen Seraphische Liebeswerk Tirol getrennt.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde von Tirol das Südtirol abgespalten. Auch die Tiroler Ordensprovinz der Kapuziner wurde daher in eine Süd- und eine Nordtiroler Sektion getrennt. Der ursprüngliche Sitz des Seraphische Liebeswerks im Dorf Tirol bei Meran musste aufgeben werden. 1926 wurde in Fügen das Schloss der Grafen von Fieger erworben und dort mithilfe der Tertiarschulschwestern des Hl. Franziskus von Hall in Tirol ein konfessionelles Heim, das Knabenheim St. Josef (auch: Bubenburg genannt) eingerichtet. Dorthin wurden auch Kinder aus Vorarlberg vom Seraphische Liebeswerk Liechtenstein und Vorarlberg überstellt und aufgenommen.

Im Juli 1939 wurde die Erziehungsanstalt St. Josef von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) übernommen. Am 15.5.1941 übernahm das Gaujugendamt Tirol und Vorarlberg das Heim als Gaujugendheim. Heimleiter war Franz Vester. Dieser war zuvor Angestellter der NSV in Westendorf in einem Heim für Südtiroler Kinder. 1943 bis 1945 wurde das Anstaltsgebäude für die Kinderlandverschickung genutzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude eine Zeit lang von den alliierten Truppen genutzt. 1946 ging die Verwaltung sowie Leitung des Heimes wieder auf das Seraphische Liebeswerk über. Es wurde wieder eine konfessionelle Erziehungsanstalt für Buben eingerichtet und war diese Teil des regionalen Fürsorgeerziehungswesens.

Einrichtungen

Das slw umfasst folgende Einrichtungen in Tirol:

  • slw Jugendhilfe in Fügen,
  • slw Kindergarten in Innsbruck
  • slw Innsbruck: vollbetreutes und begleitetes Wohnen und mobile Begleitung in Wohngruppen und dezentralen Wohngemeinschaften sowie Tagesstruktur (Werkstätten) für Erwachsene mit Behinderungen
  • slw Elisabethinum in Axams: inklusive Kinderkrippe und Kindergarten, Schule mit Inklusionsklasse, Internat, Berufsvorbereitung und Therapieangebote für junge Menschen mit und ohne Behinderungen

Missbrauchsvorwürfe

Das Seraphische Liebeswerk wurde mit vielfachen Vorwürfen wegen sexueller und sonstiger Gewalt gegen die Zöglinge konfrontiert.[9][10] In der Studie von Michaela Ralser, Nora Bischoff, Flavia Guerrini, Christine Jost, Ulrich Leitner, Martina Reiterer: Das System der Fürsorgeerziehung. Zur Genese, Transformation und Praxis der Jugendfürsorge und der Landeserziehungsheime in Tirol und Vorarlberg, wurde 2015 eine wissenschaftliche Aufarbeitung begonnen.

Organ

Vom Seraphische Liebeswerk wurde das Sankt Fidelis-Blatt (auch St. Fidelis-Blatt) im Zeitraum vom 1. August 1908 bis 1938 herausgegeben. Auch benannt:

  • Sankt-Fidelis-Blatt für das Seraphische Liebeswerk von Tirol - Salzburg
  • Sankt-Fidelis-Blatt für das Seraphische Liebeswerk von Tirol und Salzburg
  • Sankt-Fidelis-Blatt für das Seraphische Liebeswerk von Vorarlberg und Liechtenstein

Die Redaktion befand sich im Dorf Tirol bei Meran. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann der Sankt-Fidelis-Brief an die Freunde des Seraphischen Liebeswerkes zur Rettung von religiös oder sittlich gefährdeten und armen Kindern herausgegeben. Bis heute wird die Zeitschrift fidelis (Fidelis : vom Himmel auf Erden und noch mehr, auch fidelis-Magazin genannt) herausgegeben, welches auch online abrufbar ist.

Literatur

  • P. Cyprian Fröhlich: Das Leben in einer katholischen Erziehungsanstalt für arme Kinder. Seraphisches Liebeswerk Altötting 1909.
  • P. Cyprian Fröhlich: Fünfundzwanzig Jahre im Dienste des göttlichen Kinderfreunds. Eine Geschichte des seraphischen Liebeswerks und eine Zeitgeschichte. Seraphisches Liebeswerk Altötting 1914.
  • P. Emmeram Glasschröder: 50 Jahre im Dienste des göttlichen Kinderfreunds. Festschrift zum Jubiläum des Seraphischen Liebeswerks e.V. Mandr. München 1939.
  • Andreas Henkelmann: Caritasgeschichte zwischen katholischem Milieu und Wohlfahrtsstaat: das Seraphische Liebeswerk(1889 - 1971). Schöningh Paderborn et al. 2008.
  • Angelica Hilsebein, et al.: "'Rettet Kinder!' Das Seraphische Liebeswerk". Unser Kloster ist die Welt. Franziskanisches Wirken vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ausstellungskatalog. Paderborn 2012; 40–45.
  • Michaela Ralser, Nora Bischoff, Flavia Guerrini, Christine Jost, Ulrich Leitner, Martina Reiterer: Das System der Fürsorgeerziehung. Zur Genese, Transformation und Praxis der Jugendfürsorge und der Landeserziehungsheime in Tirol und Vorarlberg, Forschungsbericht, 1. Auflage, 2015 erstellt im Auftrag der Länder Tirol und Vorarlberg, Institut für Erziehungswissenschaft der Leopold-Franzens-Universitat Innsbruck.
  • P. Alexander Senftle: Das Seraphische Liebeswerk. Studie über die soziale Tätigkeit des Kapuzinerordens. Zul.Arbeit Münster 1954.
  • Karin von Wartburg: "Caritas Christi urget nos". Das Seraphische Liebeswerk und seine Fürsorgetätigkeit in der Zwischenkriegszeit. Liz.-Arb. Basel 2004

Weblinks

Einzelnachweise

  1. slw Soziale dienste der Kapuziner, Webseite: gemeinnuetzig.at.
  2. [ https://www.zillertalerzeitung.at/de/sport/130-jahre-fr-ein-gutes-miteinander 130 Jahre für ein gutes Miteinander], Webseite: zillertalerzeitung.at.
  3. Jugendhilfe, Webseite: slw.at.
  4. Gaudentius Koch: Für alle Abnehmer des Buches von der Schöpfung bis zum Himmelsreich […]. In: Das Große Leben Christi oder Ausführliche, andächtige und bewegliche, ganz Vollkommene Beschreibung Des allerheiligsten Lebens und bittern Leidens Unseres Herrn Jesu Christi Und seiner glorwürdigsten Lieben Mutter Mariae […]. Dargestellt durch Pater Martinus von Kochem, Kapuziner. (Bernkastel 1689) Neu herausgegeben von Pater Gaudentius Koch, desselben Ordens, unter dem Titel Das Buch von der Schöpfung bis zum Himmelreich […]. Sankt-Augustinus-Verlag, Franz W. Drees, Köln am Rhein/München 1912, S. XLII.
  5. Vgl. Henkelmann, Seraphisches Liebeswerk, S. 191.
  6. Siehe: Seraphisches Liebeswerk für Tirol und Vorarlberg 1908, 8 f.
  7. Cyprian Fröhlich: Fünfundzwanzig Jahre im Dienste des göttlichen Kinderfreunds. Eine Geschichte des Seraphischen Liebeswerkes und eine Zeitgeschichte. Seraphisches Liebeswerk, Altötting 1914, S. 15–17.
  8. Die Regierung erteilt dem seraphischen Liebeswerk bei Meran in Tirol die Zulassung für das Fürstentum Liechtenstein, "Liechtensteiner Volksblatt" vom 7. März 1913.
  9. Gernot Zimmermann: [tt_news=4213&cHash=a830ebefd9f4ed3ced691fa621d5f96c Nehmen ist seliger als geben], Webseite: echoonline.at.
  10. Gewalt und sexuelle Ausbeutung in Bubenburg, Webseite: tirv1.orf.at vom 14. März 2010.